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Insulin zum Leben


Heidrun Schmidt-Schmiedebach
Projektleiterin / Rastatt
"Insulin zum Leben" ist ein Hilfsprojekt der Interessengemeinschaft Deutscher Diabetiker Bund e.V. (DDB) und Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. (BdkJ) und rettet als Partner im Netzwerk "Insulin For Life" Global das Leben vieler insulinbedürftiger Menschen in Entwicklungsländern.
Es hat seinen Sitz in Baden-Württemberg/Rastatt, sammelt Insulin- und Geldspenden in ganz Deutschland und hilft Diabetikern in Not auf der ganzen Welt.

Die Herausforderung
70 % des weltweit hergestellten Insulins werden von 30 % der Weltbevölkerung verbraucht. Wie sollen aber 70 % der Weltbevölkerung mit 30 % des Insulins versorgt sein? Es ist nicht möglich. Versorgt ist nur der Patient, der Insulin kaufen kann. Insulin ist aber sehr teuer.

Kosten für Insulin
In vielen Entwicklungsländern kostet Insulin mehr als 50% eines durchschnittlichen Einkommens. Das kann sich fast niemand leisten. Krankenversicherungen und Subventionen gibt es in der Regel nicht. Erkrankt in einer kinderreichen Familie ein Kind an Diabetes, müssen es die Eltern oft sterben lassen, um die anderen Kinder ernähren und zur Schule schicken zu können. Und selbst, wenn ein Diabetiker ein Fläschchen Insulin besitzt, versucht er damit auszukommen, so lange es geht. Er überlebt vielleicht, erleidet aber oft Folgeschäden wie schmerzhafte Polyneuropathie, Amputationen und Erblindung.

In Australien sitzt das Herz des Projektes
Hier versucht "Insulin For Life" zu helfen. 1986 startete Ron Raab, selbst seit seinem 6. Lebensjahr Diabetiker Typ-1, das Programm "Insulin For Life" am Internationalen Diabetes Institut in Melbourne/Australien. 1999 wurde "Insulin For Life inc." als unabhängige Non-Profit-Organisation eingetragen und verfolgt unter anderem das Ziel, ein globales Netzwerk auszubauen mit Sammelzentren in Industriestaaten.

Die Philosophie des Projektes
Leben retten und helfen in der Dritten Welt mit dem, was in den Industriestaaten nicht mehr benötigt wird: Unser Überfluss ist deren Überlebenschance.

"Insulin zum Leben" sammelt
  • haltbares Insulin, das verfügbar wird, weil der Patient auf ein anderes Insulin umgestellt wurde, kein Insulin mehr braucht oder verstarb
  • Testsreifen zu allen Geräten
  • neuwertige Hilfsmittel, die entbehrlich sind, weil der Patient andere, für ihn besser geeignete gefunden hat. Diese Hilfsmittel würden sonst vernichtet werden.

Sorgfältig geprüft Kontakte – das beste Mittel gegen Schwarzhandel
Insulin, Teststreifen und passendes Zubehör werden ausschließlich an anerkannte Diabetesorganisationen und Ärzte geschickt, nie an Regierungen. Die Kontakte werden von "Insulin For Life inc." sorgfältig geprüft, damit die Spenden die Bedürftigsten erreichen und auf keinen Fall auf dem Schwarzmarkt landen. Für die richtige und gerechte Verteilung ist immer eine bestimmte Person verantwortlich, die auch einen Vertrag mit Insulin For Life unterschrieben hat.

Insulin For Life – Zentren
Bisher gibt es weltweit 8 Zentren, die Insulin sammeln und versenden. Sie haben ihren Sitz in Australien, Neuseeland, Deutschland, England, USA, Österreich, Niederlanden und seit 2010 auch in Kanada. "Insulin for Life" Global ist weiterhin bestrebt, neue Zentren zu gründen.

Hilfsmaßnahmen
Kontinuierliche Hilfen Diese 8 Zentren schicken Insulin und Hilfsmittel regelmäßig nach Bolivien, Ecuador, Peru, Kongo, Ruanda, Tansania, Zimbabwe, Usbekistan, Indien, Kambodscha, Vietnam, gelegentlich nach Malediven, Seychellen, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Burundi, Elfenbeinküste, Somalia, Togo und Uganda.
Hilfe in Notfällen "Insulin zum Leben"/"Insulin For Life" hilft aber auch unkonventionell und schnell bei Katastrophen wie dem Tsunami in Südostasien, dem Hurrikan Katrina in den USA, dem Erdbeben in Peru und dem Zyklon in Myanmar. Alle Hilfsmaßnahmen wurden von Australien aus koordiniert und waren vor den großen Hilfsorganisationen vor Ort. Seit 1986 gingen Hilfssendungen in mehr als 70 Länder.

Wie kam "Insulin zum Leben" nach Deutschland?
1994 lernte Heinz Jäger den Australier Ron Raab und dessen Projekt "Insulin for Life" kennen, war begeistert und wollte auch helfen. Er gründete "Insulin zum Leben" unter dem Dach der Deutschen Diabetes-Union e.V., sammelte ausschließlich Geld und stellte dieses "Insulin for Life inc." für die teuren Transportkosten zur Verfügung.

Seit 2003 sammelt "Insulin zum Leben" endlich auch in Deutschland Insulin
Nach dem Tod von Heinz Jäger im Jahr 2000 wurde Heidrun Schmidt-Schmiedebach zur Projektleiterin berufen. Sie begann 2003 endlich auch in Deutschland wertvolles Insulin und Hilfsmittel zu sammeln und an Adressen zu schicken, die sie von Australien vermittelt bekam.

Persönliche Erfahrungen in Entwicklungsländern
Im Dezember 2006 fand der Weltdiabetes-Kongress in Kapstadt statt. Die Deutsche Diabetes-Union e.V. präsentierte das NAFDM und "Insulin zum Leben" an einem Stand. Der Kongress erwies sich als idealer Treffpunkt für Helfende und Hilfe Empfangende zum Erfahrungsaustausch, Danke sagen und Optimierung der praktischen Aspekte des Hilfsprogramms.
Auf dem Weg nach Kapstadt folgte ich einer Einladung nach Ruanda, dem Land, in das ein Großteil der deutschen Hilfssendungen geht. Während des Besuchs wurde ein Dokumentarfilm "Field Trip to Rwanda" gedreht, der die Versorgungssituation der Diabetespatienten in Ruanda widerspiegelt. Auf 50 000 Patienten kommt nur ein Arzt. Die Anfahrtswege sind oft sehr lang. Eine Ampulle Insulin kostet 3 Euro bei einem Familien-Monatseinkommen von 5 bis 9 Euro. Wer Insulin nicht kaufen kann, hofft auf "Insulin zum Leben". Im Januar 2008 ergab sich die Gelegenheit, in Bolivien – das seit vielen Jahren von unserem Netzwerk profitiert – gleich 3 Adressen miteinander zu verbinden.

1. Ich nutzte die Gelegenheit, an einem Camp für junge Typ-1 Diabetiker teilzunehmen, das Dra. Patricia Blanco organisierte, selbst Typ-1 Diabetikerin. Inhalte waren einerseits Erfahrungsaustausch, Schulung und Therapieanpassung, andererseits Analyse der absolut unzureichenden Versorgung der Diabetiker in den 9 Provinzen Boliviens. Spontan entstand die Idee der Gründung eines Nationalrates mit dem Ziel, die Provinzen zu vernetzen und aktiv an der Verbesserung der Versorgungssituation zu arbeiten, "von unten nach obern", von den Betroffenen hinauf in die politische Ebene. Die begonnene Arbeit ist auf gutem Weg.

2. Ich besuchte in Cochabamba, einer Stadt mit 900.000 Einwohnern, ein mustergültiges Diabeteszentrum, das Dra. Elizabeth Duarte, eine überaus engagierte Diabetologin, mit ihrer qualifizierten Diabetesberaterin Miriam in den letzten 10 Jahren aufgebaut hat. Größtes Problem: kein Insulin. Sämtliches Insulin, das sie zur Behandlung ihres großen Patientenstammes einsetzt, kommt vom Netzwerk "Insulin zum Leben"/"Insulin for Life". Unvorstellbar. Da unser Insulinvolumen aber begrenzt ist, ist auch die Anzahl der Patienten, die in das Programm aufgenommen werden können, begrenzt. Eine traurige Angelegenheit für die, die nicht zum Zuge kommen.

3. Ich wohnte bei der deutschen Ärztin Dr. Dorothea Kochs an, die seit mehr als 10 Jahren ehrenamtlich in Cochabamba am Fuße der Andenberge für mittellose Patienten arbeitet. Sie war auf der Suche nach einer Insulinquelle und fragte bei Dra. Elizabeth Duarte nach. Die gab ihr meine Adresse. Seitdem kann ich Dorotheas 35 Patienten mit deutschem Insulin am Leben erhalten und vieles über die Lebensumstände dort erfahren – ohne sprachliche Barrieren.

Wertschätzung
"Insulin zum Leben" wird geschätzt sowohl von Diabetikern und ihren Angehörigen, als auch von Diabetesberaterinnen, Ärzten, Mitarbeitern von Sozialstationen und Altenheimen. Jeder, der von der Existenz und Arbeitsweise von "Insulin zum Leben" weiß, ist froh, wertvolles Insulin nicht mehr wegwerfen zu müssen, sondern Leben rettend einsetzen zu können. Aber längst noch nicht alle Menschen kennen "Insulin zum Leben".

Positive Entwicklung von "Insulin zum Leben"/ Deutschland

 

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

Insulin: Anzahl Patronen / Durchstechflaschen umgerechnet in Anzahl Milliliter

2.337

8.547

13.633 = 46.053,5 ml

12.675
46.473 ml

19.284 =
66.575 ml

21.884 =
68.840 ml

27.144 =
85.156 ml

Lanzetten

2.530

5.990

23.700

21.284

24.846

17.530

9.059

Blutzuckermessgeräte

214

499

442

913

750

972

244

Pens

366

459

722

474

731

573

167

Pen-Nadeln

5.530

10.690

29.441

24.433

15.371

61.218

17.551

Einmalspritzen

-

7.900

6.288

7.341

29.151

17.960

17.001

Stechhilfen

-

122

502

406

565

1257

192

BZ-Teststreifen

3.280

11.800

25.632

40.317

27.926

82.736

45.306

Geschätzter Wert in €

€56.780

€141.410

€230.363

€248.495

€284.949

€354.580

€348.860,00

empfangener Sendungen

 

 

 

 

 

763

716

Anzahl verschickter Pakete

12

29

65

79

83

137

87

Gewicht aller Pakete in kg

154

456

951,9

741,4

780,1

922,9

781,90

Porto für alle Pakete

 

 

€7.731,71

€6.596,00

€6.765,10

€8.407,80

€7.213,90

Anzahl Dankesbriefe an die Spender von Insulin und Geld

92

383

757

656

846

Ca 1000

Ca. 1100



Wie viele Menschen kann das Netzwerk "Insulin For Life" am Leben erhalten?

Alle 8 Zentren haben im letzen Jahr ca. 235.000 Milliliter U100 – Insulin verschickt. Diese Menge reicht aus, etwa 1600 Menschen mit Diabetes ein Jahr lang kontinuierlich zu versorgen.

Wie kann man helfen?

Insulin- und Hilfsmittelspenden
können ungekühlt und bitte freigemacht an das Insulinlager geschickt werden:

"Insulin zum Leben"
c/o Biokanol Pharma GmbH
Kehler Straße 7
76437 Rastatt

Bitte Haltbarkeitsdatum beachten
Der Zoll lässt keine Waren einreisen, die "verfallen" sind. Überschrittenes Haltbarkeitsdatum wird mit Müll gleichgesetzt.

Deshalb unsere erneute Bitte nur Dinge zu schicken, die mindestens noch 3 Monate haltbar sind. Der Schwerpunkt liegt auf Insulin und Teststreifen, danach auf Verbrauchsmaterial wie Pennadeln, Lanzetten und Einmalspritzen (nur U100). Pens, Blutzuckermessgeräte und Stechhilfen sind mehr am Lager als gebraucht werden. Deshalb bitte vorher anfragen, ob Bedarf besteht.

Geldspenden für die teuren Transportkosten sind willkommen auf dem
Spendenkonto:

BDKJ "Insulin zum Leben"
Bankverbindung: Volksbank Hameln-Stadthagen eG
BLZ 254 621 60
Konto-Nr. 670 320 801

Der BDKJ ist berechtigt, Spendenbescheinigungen auszustellen.

Der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. ist berechtigt, Spendenbescheinigungen für "Insulin zum Leben" auszustellen. Unter Verwendungszweck bitte ausschließlich vollständige Anschrift eintragen.

Haben Sie Fragen an die Projektbeauftragte oder wollen Sie Flyer/Plakate bestellen?
Heidrun Schmidt-Schmiedebach
Telefon 07222 200972 * Fax 07222 17629
e-mail. heidi.schmidt-schmiedebach@gmx.de

Mehr über "Insulin zum Leben" und "Insulin For Life inc." erfährt man unter www.insulin-zum-leben.de und www.insulinforlife.org

Das Fazit:
  • Immer noch müssen Menschen in Entwicklungsländern aus Mangel an Insulin sterben.
  • Die Kosten für Insulin sind in diesen Ländern unverhältnismäßig hoch.
  • Insulin zum Leben rettet Leben mit Hilfsmitteln, die in den Industriestaaten ansonsten auf dem Müll landen würden.
  • Es sollte in jedem entwickelten Land "Insulin zum Leben"/"Insulin For Life" geben, solange Menschen aus Mangel an Insulin sterben müssen.
  • Insulin zum Leben ist bereit, Nachbarländer beim Aufbau eines Insulin For Life – Programms partnerschaftlich zu unterstützen.


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